Sonderprogramm AUTONOM fördert Projekte zur Künstlichen Intelligenz (KI) in den Darstellenden Künsten

14. Februar 2020 | Steffen Klewar

Der Fonds Darstellende Künste fördert als einer der sechs Bundeskulturförderfonds die Kunst- und Kulturlandschaft der Bundesrepublik mit besonderem Schwerpunkt auf der Beförderung der Freien Darstellenden Künste. Für die gezielte und fachgerechte Entwicklung von künstlerischen Konzepten bietet er jährlich vier Antragsfristen in seinen drei allgemeinen Förderprogrammen an. Mit zusätzlichen Sonderprogrammen greift er zudem immer wieder Themen wie Diversität, Digitalisierung, Kunst im ländlichen Raum oder die Fortentwicklung ästhetisch-künstlerischer Formate auf und schafft Anlässe zur Qualifizierung und Fortentwicklung.

2020 legt der Fonds das Sonderprogramm AUTONOM auf, das sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) in den Darstellenden Künsten auseinandersetzt und für das sich frei produzierende Künstler*innen und Ensembles seit dem 12. Februar 2020 online bewerben können.

Wie beeinflusst die KI die (Darstellende) Kunst?

Die Darstellenden Künste stehen – wie viele andere Bereiche – in der Welt der autonom lernenden und handelnden Dinge, vor einer bisher kaum durchdrungenen Erweiterung des Schaffensprozesses: Wahrnehmung durch Sensoren, Narrative durch Social Bots und Entscheidungen durch Algorithmen.


Es ist eine der zentralen Fragen der Kunst, die unter dem Aspekt der KI neu verhandelt wird: die des künstlerischen Schaffens. Gleichsam ist der Schaffensprozess, genau wie der Werkbegriff, in der Kunst seit jeher dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen und immer wieder neu im jeweiligen zeitgenössischen Kontext zu betrachten.


Mit dem autonomen Erschaffen von Kunstwerken verbinden sich, neben der Frage nach der Überwindung oder dem Abschied eines durch die Vernunft – und auch Unvernunft – des Menschen bestimmten Kreationsprozesses, natürlich auch die weit über die Kunst hinausweisenden Fragen nach den Möglichkeiten, der Verantwortlichkeit und damit auch den Grenzen der nicht humanoiden Entwicklungen in Technik, Politik, Wirtschaft, Mobilität, Medien und vielen Sektoren mehr: Selbstfahrende Autos, autonome Pflegebots oder [(un-) demokratische] Teilhabe von zigtausenden von Bots in den sozialen Netzwerken – die Liste der bereits gegenwärtigen und kommenden Bereiche, in denen Künstliche Intelligenzen wirken, wird immer umfassender.


Aber wie beeinflusst KI die Kunst – und die Darstellende Kunst im Besonderen? Ist sie Innovationstreiber oder Schreckensbild dystopischer Szenarien? Macht Künstliche Intelligenz Künstler*innen überflüssig? Oder ist das Gegenteil der Fall? Und vor allem: Wer entscheidet künftig im Theaterraum was gezeigt und was gesagt wird? Wie wird der Blick der Zuschauenden gelenkt und von wem? Sind auch die sinnlichen Erfahrungen, die Diskursräume oder die Entscheidung, wann der Vorhang fällt, zukünftig Hoheitsgebiete der Maschinen? Ist die Kunst dann noch frei – und Künstler*innen autonom?


Von Künstlicher Intelligenz geprägte Robotik verändert z. B. die Sparten des Figuren- und Objekttheaters und den Tanz. Auf den Bühnen regelmäßig verhandelte und die Darstellenden Künste in Theorie und Praxis prägende literarische Stoffe wie „Der Sandmann“ – die immer menschenähnlichere Maschine – erscheinen aktueller denn je. KIs komponieren bereits, sie malen, sie gestalten.


Der Fonds Darstellende Künste konzipierte das Sonderförderprogramm AUTONOM, das Projektvorhaben in den diversen Feldern der Darstellenden Künste unterstützt, die sich mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen, gefördert aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Wer kann sich bewerben?

Anträge in diesem Sonderprogramm können von frei produzierenden Künstler*innen und Ensembles der Darstellenden Künste eingereicht werden, die bundesweit bzw. bundesländerübergreifend agieren sowie langjährige Arbeitserfahrungen mit ästhetischen Formaten vorweisen und die sich 2020/21 mit dem Thema KI im Sinne der Ausschreibung beschäftigen wollen. Der Fonds hat dazu zwei Antragsfristen eingerichtet: zum 2. Mai 2020 und zum 1. September 2020. Beantragt werden können zwischen 30.000 und 60.000 Euro (in begründeten Ausnahmen bis 80.000 Euro), der Kofinanzierungsanteil in Form bereits gesicherter öffentlicher Mittel beträgt min. 50% der Antragssumme, die Gesamtkosten des beantragten Projektes müssen zur Antragstellung (inklusive der Antragssumme beim Fonds) zu 75% gesichert sein.

Sämtliche Informationen zur Antragstellung und Regularien finden Sie auf der Webseite des Fonds Darstellende Künste unter www.fonds-daku.de

Autor des Beitrags:
Steffen Klewar
Fonds Darstellende Künste

Lützowplatz 9

10785 Berlin

Leitung Sonderprogramm AUTONOM