SPRAYBOT – Urban Art Innovation

15. Mai 2020 | Jascha Müller

Spraybot: Der Weg ist vorbestimmt | © Jascha Müller

Der Spraybot ist ein Computer gesteuertes Wand-Sprüh-System. Er ist zu dem Zweck entwickelt worden, großformatige Fassaden künstlerisch zu gestalten. Die Besonderheit ist seine Fähigkeit zur exakten Reproduktion von Grafiken (Genauigkeit im mm Bereich). Er kann in den X-, Y- und Z-Dimensionen verfahren und verarbeitet Vektordaten aus gängigen Grafikprogrammen. Die Vektordaten werden vom Spraybot in G-Code umgewandelt und können je nach den Dimensionen des Aufbaus beliebig skaliert werden. Durch das „Leveling“ können Wände in der Z-Achse vermessen und Unebenheiten der Wände ausgeglichen werden.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig. Ursprünglich wurde der Spraybot gebaut, um die Möglichkeiten im Bereich Fassadenkunst zu erweitern, da das genaue Übertragen von Grafiken vom Rechner auf die Wand in der Schnelligkeit und Größe einzigartig ist. Wir haben mittlerweile schon diverse Einsatzmöglichkeiten erdacht. Was uns im Kern motiviert, sind die Möglichkeiten, die sich für die freie Kunst im öffentlichen Raum ergeben die sogenannte Urban Art. Der Spraybot erlaubt es uns, die digitale Grafik mit Malerei aus der Dose zu kombinieren und so entsteht ein neues Genre. Wir können die digital/analoge Grenze der Malerei schmelzen lassen. Es entsteht eine neue, eigene Ästhetik. Die computergenerierten Inhalte können auf viele Arten und Weisen generiert werden. Diese Abstraktionsmöglichkeiten bergen unendlich viel Potenzial. Wir sind neugierig, was Künstler*innen, die damit arbeiten und kreativ mit den Möglichkeiten des Spraybots umgehen, schaffen werden. Wir streben große Arbeiten im öffentlichen Raum. Für uns ist die Urban Art ein fester Bestandteil der Kunst im öffentlichen Raum durch die weltweite Verbreitung und Weiterentwicklung von ursprünglichem Graffiti zu der heute sogenannten Street Art. Es ist für Künstler*innen eine Form der bürgernahen Kreativ-Arbeit. Die klassische Realität ist hier nicht: Der/die Künstler*in und sein/ihr Werk im Ausstellungsraum. Die Realität ist hier: Das Werk steht in der Welt, aus der es kommt. Es muss Bezug nehmen oder etwas Sinnvolles beisteuern, um positiv wahrgenommen zu werden. Als wäre die Öffentlichkeit, mit den umliegenden Bewohner*innen, der Betrachter der Malerei. Wir haben keinen extra Malgrund (Leinwand) oder einen extra Raum (Museum) wir arbeiten auf Häusern und Wänden, die zum Wohnen oder abgrenzen gebaut wurden und somit durch die Malerei eine zweite – eine Doppelbedeutung bekommen.

Auch für den kommerziellen Einsatz gibt es Ideen: Zum Beispiel könnte der Spraybot auf die Container an Containerhäfen dieser Welt die jeweilige Werbung der Firma malen. Auch denkbar sind Einsätze für große Fassaden, die als Werbemaßnahme gestaltet werden sollen. Dort ist besonders die schnelle Umgestaltung von Vorteil und im Vergleich zu bedruckten Planen ist das Verfahren umweltschonender. Für das neue Bauhaus Museum in Dessau haben wir mit dem Bauherrn ein Konzept für die Aufbringung von Markierungen zum Vogelschutz erarbeitet.

Der Spraybot wurde von Oliver Baum (Maschinenbau) und seinem Bruder, Dr. Tobias Baum (Informatik) entwickelt. Seit drei Jahren ist der Designer und Künstler Jascha Müller fester Bestandteil des Teams. Er ist für diverse Einsätze verantwortlich und erweiterte das Team um die künstlerische Leitung.

Oliver Baum ist Spezialist für Sonderanfertigungen im Bereich Maschinenbau. (www.maschinenbaum.de).

Jascha Müller hat über 25 Jahre Erfahrung mit Fassadenkunst, er ist Diplom-Designer und neben der Kunst auch im Design und Motion Design Bereich tätig. (www.jaschamueller.art)

Autor des Beitrags:
Jascha Müller
Spraybot

Badenstedter Straße 46A Eingang 1

Hannover