IDN.Blvd.`19 - Innovativ. Digital. Nordufer

16. August 2019 | Dr. Tabea Golgath

Zum dritten Mal luden die Veranstalter, das kre|H|tiv Netzwerk Hannover e.V., die Hannover Veranstaltungs GmbH und Digitales Hannover e.V., zu einer umfangreichen Veranstaltung am 12. und 13. August an den Maschsee Hannover ein. An zwei Tagen wurden in einer Vielzahl von Formaten aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz, New Work, Online Marketing oder eSports diskutiert. Über 1.500 Menschen folgten der Einladung sich vor Ort zu informieren, zu vernetzen und neue Produktanwendungen auszuprobieren. 

Unter dem Motto „Wir müssen reden!“ besuchten am 12. August bereits 350 Teilnehmer  das volle Programm aus 45-Minuten Panels an sechs Locations. Nach einer kurzen Einführung in die „Digitale Transformation“ durch Cornelia Schneider-Pungs, Education Engagement Manager bei Microsoft verteilten sich die Teilnehmer auf die fußläufig schnell erreichbar liegenden Veranstaltungsorte, um mehr über die Demokratisierung von Bildung mit Digitalen Medien, kreative Stadtentwicklung in Zeiten von Smart Cities, Digitale Marktplätze, Autonomes Fahren, die vier Wellen der Künstlichen Intelligenz oder Digitalisierung im Format eines Science Slams zu erfahren. Steven McAuley vom Thinktank TinyBox Inc. stellte wortgewandt aktuelle Entwicklungen in der Anwendung von Künstlicher Intelligenz vor. Zum Nachdenken regen zweifelsfrei die vielen Beispiele aus China an. Für vieles ist die breite Mehrheit in Deutschland momentan noch zu vorsichtig. Besonders bemerkenswert ist der teilweise bereits sehr entspannte Umgang mit den eigenen Daten, weil die Bequemlichkeit über Bedenken gesiegt hatten. Im Shiru Café an der Brown University in Providence, Rhode Island, USA werden vom japanischen Betreiber Enrission Getränke und Speisen gegen das Zahlungsmittel persönlicher Daten angeboten. Die Daten der Studierenden wie Studienfächer, Forschungsthemen etc. werden ausgewertet und anonymisiert weitergegeben. Hier wird offen mit dem großen Interesse an Daten umgegangen, dem wir hierzulande allzu häufig in Gewinnspielen von Unternehmen begegnen, wenn z. B. eine Kreuzfahrt lockt und der Teilnehmer „nur“ eine E-Mail oder eine Postkarte mit ein paar persönlichen Angaben verschicken muss. 

In den weiteren Slots des Nachmittags spielten Medien und Verlagshäuser, Technologie und Musik, crossmediale Kommunikation, der große Markt des eSports und das hochaktuelle Thema des New Work eine Rolle. Letzteres wurde bereits in den 1970er Jahren von Frithjof Bergmann im Ansatz entwickelt, findet in vielen aktuellen Phänomenen wie StartUps, agilen Firmenstrukturen, flexiblen Arbeitszeiten und der Betonung von „Purpose“ Anwendung. Nicht ganz einfach, aber umso spannender sind Transformationsprozesse von langjährigen Unternehmen wie der Deutschen Messe AG. Von außen mögen die Veränderungen erst langfristig zum Tragen kommen, aber für die internen Prozesse sind diese Umstrukturierungen direkt spürbar und fordern/fördern das selbstständige Denken und Engagement der Mitarbeiter. 

Von einer anderen ganz praktischen Anpassung an aktuelle Bedürfnisse berichtete Dr. Jürgen Rink, Chefredakteur des Computermagazins c`t aus der Heise Gruppe. Im „vor-digitalen Zeitalter“ war es für Handwerker und andere Gewerbetreibende wichtig sich in dem Branchenverzeichnis „Gelbe Seiten“ zu präsentieren, um von der potenziellen Kundschaft gefunden zu werden. Da heute die Papierversion der „Gelben Seiten“ deutlich an Bedeutung verloren hat, werden die Erstellung von Websites oder andere digitale Präsentationsmöglichkeiten angeboten, um den Bedarf weiterhin zu decken. Ähnlich verlagern Zeitungsverlage ihre Aktivitäten in den digitalen Raum, erweitern ihr Portfolio, erhalten jedoch, wenngleich in kleinerem Rahmen, die Papierauflagen, um Lesern mit klassischen Lesegewohnheiten gerecht zu werden. 

Vor dem Ausklang des ersten Tages mit einem angenehmen Get-Together und einem StartUp-Meetup stellten Sergey Harutoonian vom Kunstverein Hannover, Philipp Henkel und Farhad I. Hosseini von der HMTMH, Florian Kluger vom tnt der Leibniz Universität Hannover, Joachim Haenicke und ich mehrere Anwendungsmöglichkeiten von KI in der Kultur vor. Zwei wichtige Fragen, deren Diskussion sich noch in den weiteren Verlauf des Abends zog, waren: 1. Wird der menschliche Künstler/Musiker/etc. überflüssig, wenn Computer Bilder malen oder Musik komponieren können? Und 2. Warum stellt sich diese Frage überhaupt? Warum haben Menschen Angst vor einer Verdrängung?

Der zweite Tag war geprägt durch die Kreativ-Meile, die zum Anfassen und Ausprobieren animierte. In vielen Workshops ging es um das Kennenlernen von Best-Practice-Beispielen aus der Region Hannover und eigene Aktivitätsmöglichkeiten. In der „Höhle der Karpfen“ wurden am Abend die 8 „heißesten StartUps“ vorgestellt. Der IDN-Boulevard `19 zeigte wieder einmal wie viele kleine und große Unternehmen sich in der Region Hannover mit digitalen und innovativen Themen auseinandersetzen. Regionale Netzwerke und Präsentationen der regionalen Stärken sind ungemein wichtig um gemeinsame Ziele zu verfolgen und Projekte umzusetzen. Digitalisierung und Innovation können auf Bundesebene befördert werden, die tatsächliche Umsetzung erfolgt jedoch regional.  

Autorin des Beitrags:
Dr. Tabea Golgath
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