Kunst und KI

25. Januar 2019

Eine Enzyklopädie in mehreren Teilen
Teil 1: Was bisher geschieht…

Kann eine Maschine Kunst erschaffen? Vor der Beantwortung dieser Frage ist es notwendig, eine grundlegende Definition von Kunst festzuhalten: Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt und Ergebnis eines kreativen Prozesses. Während Kreativität also die Erschaffung von etwas Neuem, Originellem oder Nützlichem meint, bezieht sich der Kunstbegriff zuallererst auf eine Unterscheidung von der Natur durch einen Bearbeitungsprozess. Wenn ich eine vorgegebene Anzahl von Elementen mische und anordne, ist dies schon ein künstlerisches Produkt?

 

Vor allem die Menschen, die von einer kreativen Gabe des Künstlers überzeugt sind, werden einer Maschine nicht zugestehen, ähnlich wertige Kunstwerke zu produzieren. Kann man beispielsweise bei einer Maschine von kreativen Einfällen sprechen?

 

Wie wir in einem späteren Blog-Beitrag vorstellen werden, gibt es zu diesem Thema noch sehr viel mehr Aspekte zu berücksichtigen. Wir wollen uns jedoch zunächst gemeinsam einige Beispiele anschauen, wie Künstliche Intelligenz Kunstwerke erschaffen kann oder mit Künstlern zusammenarbeitet.

KI als Muse ist skrupellos

Das Projekt „unfinished“ ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Maler Roman Lipski und einer künstlichen Muse, die er gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv „YQP“ entwickelt und der Berliner Agentur „Birds on Mars“ weiterentwickelt hat.
Die auf KI basierende Muse erhielt alle bisherigen Arbeiten von Roman Lipski als Input, analysierte sie und lernte so seine Arbeitsweise, die benutzten Formen, Kontraste, Farben und Bildkompositionen. Auf dieser Basis kann die Muse Lipskis Stil imitieren und aus den bisherigen Arbeiten neue Werke zusammenstellen. Am Bildschirm schaut sich Lipski die Kreationen der KI an und bezieht ihre Vorschläge in seine Arbeiten mit ein.


Der Künstler sagte in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur: „Ich bin noch nie so farbig gewesen, so bunt und so entschlossen anders seit Ewigkeiten. Das ist die Unterstützung meiner digitalen Muse. Ich habe wirklich geschafft, mich zu verändern auf diese Art und Weise. Ich bin abstrakt geworden, die Formen sind expressiver, ich benutze mehr Farbe und das alles hat Sinn, das ist nicht zufällig, das ist nicht beliebig und das hat hohe Qualität.“ 


Während ein menschlicher Berater vielleicht zurückhaltend wäre, ungewöhnliche oder provokante Veränderungen zum künstlerischen Stil vorzuschlagen, hat die künstliche Muse hier keine Skrupel. In einer Abwandlung der ursprünglichen Arbeitsweise dokumentiert die Muse nun auch Arbeitsfortschritte mit einer Kamera und schlägt Lipski konkret die nächsten Pinselstriche vor. Diese Arbeitsweise liegt vermutlich nicht jedem Künstler, hat aber als sehr individuelle Lösung großes Potenzial.

KI als Koryphäe unter Kunstfälschern

In der Kunst werden bereits zahlreiche Einsatzmöglichkeiten von KI erprobt. Allen voran ist hier die Medienkunst zu nennen, aber auch klassische Sparten der Bildenden Kunst wie die Malerei oder Bildhauerei zeigen sich experimentierfreudig. Eine einfache Anwendung von KI in der Malerei ist der Style Transfer. Eine KI lernt anhand von zahlreichen Beispielen einen bestimmten Malstil zu erkennen und zu imitieren. Ähnlich funktionieren verschiedene Filteroptionen in Handy-Apps, wenn sie ein Foto beispielsweise als Bleistiftzeichnung darstellen. In der aktuellen Ausstellung „Open Codes – Die Welt als Datenfeld“ im ZKM Karlsruhe ist die Arbeit „Style Transfer“ von Boris Neubert und Max Piochowiak zu sehen, die die besonderen Merkmale eines künstlerischen Stils auf das Bild der Videokamera übersetzt und so den Besucher ganz unterschiedlich darstellt.


Mit dieser Methode lassen sich die genaue Vorgehensweise und Pinselstriche übernehmen und auf einen neuen Inhalt anwenden. Dies ist nicht nur für professionelle Künstler interessant, sondern auch für den Laien.
Eine Variante dessen bietet auch die Website https://deepart.io.  Hier kann man eigene Fotos hochladen und in einen ausgewählten Kunststil übersetzen lassen. So wird aus dem Familienportrait oder der Landschaftsaufnahme kurzerhand eine Adaption Van Goghs oder Picassos.

KI als verlängerter Arm des Künstlers

Kunst und Künstliche Intelligenz | Der malende eDavid | © Universität Konstanz | Prof. Dr. Oliver Deussen, Arbeitsgruppe eDavid

Die Zusammenarbeit zwischen Kunst und KI in Form einer praktischen Unterstützung bei der Ausführung, weniger beim kreativen Schaffensprozess, kann durch Roboter geleistet werden. Bekannte Beispiele sind hier der e-David am Institut für Visual Computing der Universität Konstanz oder die Mal-Roboter von Pindar van Arman.


Im Falle des e-Davids handelt es sich um einen Industrie-Roboterarm, der mithilfe von Maschinellem Lernen, also dem Streben um Nachahmung der eingegebenen Informationen, echte Unikate schafft – denn jedes Bild wird leicht unterschiedlich.


Die Mal-Roboter von Pindar van Arman waren zu Beginn seines Experiments lediglich in der Lage, einfachste Aufgaben wie das Verbinden von Punkten zu übernehmen. Im Laufe der Zeit hat er sie weiterentwickelt, sodass sie heute mehr als nur einfache Assistenten für seine Arbeit sind und sich wiederum auf die künstlerische Arbeit ihres „Meisters“ auswirken.

Freuen Sie sich auf mehr, denn wir werden an dieser Stelle in den nächsten Monaten kontinuierlich weitere sehenswerte Beispiele vorstellen.

Cloudpainter
Autorin des Beitrags
Dr. Tabea Golgath
Stiftung Niedersachsen
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