„KI - Made in Germany“ Die Jahreskonferenz der Plattform Lernende Systeme

5. Juli 2019

In der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin trafen sich am 3. Juli 2019 über 200 Experten und Interessierte aus Unternehmen, Forschung, Politik und Medien zur ersten Jahreskonferenz der Plattform Lernende Systeme (PLS). Die Plattform ist eine Gründung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der acatech, der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften. Die PLS hat die Aufgabe führende Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus den Bereichen Lernende Systeme und Künstliche Intelligenz in einen Austausch zu bringen. Hier werden Chancen, Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die Entwicklung und die verantwortungsvolle Anwendung von Lernenden Systemen beratschlagt.

Eröffnet durch die beiden Vorsitzenden der PLS, Bundesministerin Anja Karliczek und den Präsidenten von acatech, Karl-Heinz Streibich wurden bis zum Mittag europäische Rahmenbedingungen und Entwicklungen und erste Ergebnisse von fünf Arbeitsgruppen vorgestellt. Karl-Heinz Streibich wies darauf hin, dass in den nächsten Jahren keine technische Entwicklung ohne einen maßgeblichen Anteil oder Einfluss von Künstlicher Intelligenz zu erwarten sei und sich sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft eine Offenheit gegenüber neuer Technik bewahren müsse. Netzwerke wie die PLS ergänzt durch regionale Verbünde sind elementar, wenn es um die erfolgreiche Weiterentwicklung und Anwendung von KI-Lösungen geht. Für Insellösungen sind die notwendigen Investitionen auch schlicht zu hoch. Besonders wichtig in diesem Prozess ist es, durch intensive Kommunikation und zum Teil auch Aufklärung die Menschen einzubeziehen. Holger Hoos von der Universität Leiden unterstrich die Bedeutung einer Balance zwischen den Interessen der Gesellschaft, der Industrie und der einzelnen Bürger im Bereich KI. Nicht ausgesprochen, aber aus unserer Warte selbstredend, meint dies eine Einbeziehung von Kultur. Allen Sprechern war gemeinsam, dass der Mensch im Fokus stehen müsse und der Einsatz von KI immer dem Wohle der Gesellschaft dient. 

Ähnlich wie in der Kommunikation zwischen Kultur und Technik/Informatik sprechen auch Informatiker und Maschinenbauer, Elektrotechniker oder Betriebswirtschaftler unterschiedliche Sprachen und müssen für die Entwicklung gemeinsamer Projekte und Produkte neue Wege der Kommunikation finden. Die Zusammenarbeit kann sich an zwei Fragen orientieren, die Stephanie Fischer von der datanizing GmbH ergänzte: „Was kann KI leisten und welches Problem (meiner Kunden, meiner Zielgruppe, meines Arbeitsalltags,...) will ich lösen?“ Künstliche Intelligenz ist und bleibt ein Werkzeug und verfolgt keinen Selbstzweck. Für die Kultur bedeutet dies: Wir müssen prüfen, ob und was KI für uns leisten und zur Bewältigung unserer Herausforderungen beitragen kann. Pauschale Diskussionen über KI sind ebenso wenig zielführend wie über den Sinn von Computern oder Autos zu diskutieren. 

Die Dinner-Speech von Sascha Lobo brachte die Diskussion des Tages gut auf den Punkt. Mit seiner markanten Art verdeutlichte er: Wenn es um Effizienz geht, waren Maschinen schon immer besser als Menschen. KI gezielt einzusetzen wird also langfristig ressourcenschonender sein und Arbeitszeit und -kraft für andere Aufgaben freisetzen. Ein prägnantes Beispiel ist der Einsatz eines KI-gestützten Solarroboters der Firma EcoRobotix in der Landwirtschaft, der Unkräuter erkennt und gezielt durch das effektivste Herbizid bekämpft. So lassen sich 95% weniger Chemikalien einsetzen, was sich nachhaltig positiv auf Mensch und Natur auswirkt. 

Die erste Jahreskonferenz der PLS war ein gelungener Auftakt für das große Netzwerk. Kultur allerdings ist momentan noch kaum auf der Agenda. Hierfür müssen Kulturschaffende wohl selbst sorgen. 

Autorin des Beitrages:
Dr. Tabea Golgath
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